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Die Dominikaner in Hamburg
während und nach der Reformation (1529 - 1841)
von Bernd Schnitter OPL
Im Jahre 1529 n. Chr., zwölf Jahre nachdem Martin Luther seine 95 Thesen am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen hatte - also noch zu seinen Lebzeiten -, trug Johannes Bugenhagen die protestantischen Ideen nach Hamburg.
Johannes Bugenhagen in Hamburg (1529)
Bugenhagen, ein Weggefährte Luthers, pflegte gern zu predigen und sie fielen oft sehr lang aus, was auch humorvolle Kritik bei Luther und seinen Freunden hervor rief. Die Streitfrage des Zölibats beantwortete Bugenhagen durch Heirat für sich in kompromissloser Weise.
Von der eigenen Überzeugung ohne jeden Zweifel angetan, ging er ebenso kompromisslos daran, neue Kirchenordnungen für Norddeutschland und Dänemark umzusetzen. In Hamburg - dessen Bürgertum bereits mehrheitlich den protestantischen Lehren folgte - stieß er indes auf den Widerstand der Ordensleute.
Vor allem das widerspenstige Verhalten der Zisterziensernonnen beschäftigte ihn, so dass er die Schrift „Wat me van dem Closter leuende holden schal allermeyst vor de Nunnen vnde Bagynen geschreuen“ (Hamburg 1529) verfasste, in der er das Klosterleben als nicht vom Evangelium her begründete Form der Lebensgestaltung kritisierte.
Bild rechts: Vertreibung der Dominikaner durch die Hamburger Bürger (Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg]
Letztlich wurde seine Hamburger Kirchenordnung von der Hamburgischen Bürgerschaft und dem Senat anerkannt und der Protestantismus quasi Staatsreligion. Es war dann auch nicht Bugenhagen persönlich (anders, als im Kunstwerk dargestellt), der die Dominikaner aus Hamburg vertrieb, sondern die Bürger, die glaubten, in einem vorauseilenden Gehorsam der neuen Kirchenordnung Geltung verschaffen zu müssen.
Eilig ging Bugenhagen allerdings daran, das freigewordene St. Johannis-Kloster in die Gelehrtenschule Johanneum umzuwidmen. Dann zog es ihn nach Wittenburg zurück.
Die schematische Lage des Kirchen- und Klostersprengels in eine heutige Karte
gesetzt.
Aus St. Johannis wird das Johanneum
Es waren anfänglich die Konventualinnen des Klosters Herwardeshude (heute der Hamburger Stadtteil Harvestehude) , die im Falle von St. Johannis die Aufgaben des Dominikanerklosters nach der Reformation zu einem Teil übernahmen und weiterführten.
Die Klostergebäude gingen damit aus den Händen der Dominikaner hier in
weibliche Hände über, die wiederum engen Zusammenhang mit der ersten Niederlassung des
Bettelordens durch die Fürsprache der Schauenburger in Hamburg insofern besaßen, als es Heilwig von
Schauenburg gewesen war, die das Zisterzienserinnen-Kloster in Harvestehude 1245 ins Leben gerufen
hatte und später in dieses eintrat, um ihren Lebensabend in ihm zu beschließen.
Im Rahmen der Hamburger historischen Weiterentwicklung hielt später zusätzlich auch die im Johannis-Kloster eingerichtete Lateinschule die Erinnerung an die frühe Dominikaner-Niederlassung in Hamburg wach,
denn aus den Grundlagen des alten dominikanischen Ordo studens entwickelte sich die Gelehrtenschule
des Johanneums, fußend auf dessen umfangreicher Bibliothek und der beachtlichen Lehrtradition
des Dominikanerordens, quasi nahtlos.
Über das Schicksal der vertriebenen Dominikaner selbst ist wenig bekannt. Es darf angenommen werden, dass sie Aufnahme in andere Konvente des Ordens fanden. Das fast 300jährige Wirken der Prediger war zunächst beendet und fand erst 436 Jahre später, im Jahre 1966, eine Fortsetzung, als der Orden auf Wunsch des Osnabrücker Bischofs in die Hansestadt zurückkehrte.
Abbruch von Kloster und Kirche (1829-1841)
Die Besatzungszeit Napoleons in Hamburg (1806-1814) traumatisierte die Bürger. Die Hamburger wollten nicht noch einmal eine solchen Leidenszeit mitmachen und zerstörten alle Festungswerke. In diesem Zuge kam es zu einer vollständigen Neugestaltung auch der Gegend des ehemaligen Johannis-Klosters (heute Hamburg-Altstadt).
Bilddokumente belegen den traurigen Abriss.
| Festzuhalten bleibt aber, dass die Zerstörung der Kirche- und Klosteranlage keinen religionsfeindlichen Hintergrund hatte und - wie wir heute wissen - die Anlage im Großem Hamburger Brand von 1842 mit hoher Wahrscheinlichkeit auch völlig zerstört worden wäre. Denn die Brandgrenze lag an der Großen Johannisstraße, also direkt am Kloster, dessen Gesamtanlage somit innerhalb der Feuerbrunst gelegen hätte. |
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