Drei Monate Sankt Johannis -
drei Monate Sankt Sophien
Ein Rückblick
Je näher das Ende kommt, desto schneller vergeht die Zeit – so ist mein Eindruck in diesen Tagen, kurz bevor ich Hamburg wieder verlasse.
Drei Monate im Dominikanerkonvent St. Johannis liegen hinter mir, drei Monate in der Pfarrei St. Sophien, drei Monate Postulat im Orden der Predigerbrüder.
„Was ist das – Postulat? Was ist ein Postulant?“, so wurde ich in den vergangenen Wochen immer wieder gefragt. ‚Postulat‘ kommt vom lateinischen ‚postulare‘ = fordern, verlangen. |
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Im Italienischen heißt ‚postulare un impiego‘ ‚sich um eine Stelle bewerben‘, was im Bereich der Orden mit ‚die Aufnahme/Mitgliedschaft erbitten‘ übersetzt werden könnte und damit dem eigentlichen Sinn des Postulats am nächsten kommt.
Denn Postulat bezeichnet einen mehrmonatigen Zeitraum der Vorbereitung auf den Ordenseintritt, dessen zentrale Inhalte das gegenseitige Kennenlernen und die Prüfung der Berufung aus zwei verschiedenen Blickwinkeln sind.
Der eine ist der Blickwinkel des Postulanten, der in und mit der Gemeinschaft lebt, betet und arbeitet und für sich die Frage beantworten soll, ob er sich ein solches Leben vorstellen kann.
Der andere ist der Blickwinkel der Gemeinschaft, die sich ganz ähnliche Fragen in Bezug auf den Postulanten stellt: Passt er zu uns? Würden wir gerne mit ihm zusammenleben? Kann er ein guter Dominikaner werden? Die Beantwortung dieser Fragen spielt eine wichtige Rolle bei der Entscheidung über die Zulassung zur nächsten Stufe im Ordensleben, zum Noviziat.
Ich kann hier nur für mich sprechen, also aus dem Blickwinkel des Postulanten – und als solcher möchte ich einen kleinen Rückblick auf die vergangenen Wochen wagen.
Am 24. September kam ich nach Hamburg und wurde im Konvent sofort sehr freundlich aufgenommen. Mein Zimmer (von einer „Zelle“ kann man heutzutage in Klöstern meist nicht mehr sprechen) und die Konventsräume samt Küche und Kapelle wurden mir gezeigt, um mir eine erste Orientierung zu geben.
Ich wurde mit Gebets- und Essenszeiten vertraut gemacht und durch die Pfarreiräume geführt. In den Gottesdiensten, beim Sophien-Fest und auf der Homepage der Dominikaner wurde ich der Gemeinde vorgestellt.
In den ersten beiden Wochen brach eine Flut von neuen Eindrücken über mich herein, ich wurde zu allen möglichen Veranstaltungen mitgenommen, vom Pfarrgemeinderat über den Seniorenkaffee zum Kinderbibeltag, dann zur Pastoralkonferenz und schnell noch zum BDKJ, zwischendurch mal Küster- und Lektorendienste, wenn Not am Mann war – eine ziemlich gewaltige Umstellung für mich, der ich in den letzten 10 Jahren ein mehr oder weniger geordnetes und recht gemütliches Singledasein in Köln gefristet hatte, mit meinen eigenen vier Wänden, einem guten Job und einem netten Freundeskreis.
Jetzt wurde mir erst so richtig bewusst, dass der Schritt in Richtung Ordensleben doch eine deutliche Veränderung meiner bisherigen Lebensgewohnheiten mit sich bringen würde.
Mein Leben wurde zunächst hektischer statt ruhiger – ganz gegenläufig zum Begriff der „Entschleunigung“, der uns Postulanten in der Einführungswoche im Wormser Noviziatshaus noch mit auf den Weg in den Praktikumskonvent gegeben wurde.
Doch die neuen Eindrücke fügten sich nach und nach in den Alltag ein, der Rhythmus des klösterlichen Gemeinschaftslebens mit den regelmäßigen Gebetszeiten und der täglichen Feier der Eucharistie brachte Ruhe in die Hektik.
Das Kennen- und Schätzenlernen der Brüder im Konvent, ihr herzliches Wohlwollen mir gegenüber gab mir bald das Gefühl, nicht nur Gast für ein paar Wochen zu sein, sondern dazuzugehören. Die Herzlichkeit und freundliche Aufnahme in der Gemeinde von St. Sophien hat es mir ebenfalls leicht gemacht, mich bald hier in Hamburg zuhause zu fühlen.
Wo man sich wohl fühlt, geht man nicht gerne weg. So wird etwas Wehmut mitschwingen, wenn ich am 22. Dezember Hamburg wieder verlasse.
Auf der anderen Seite schaue ich natürlich mit großer Vorfreude auf das, was dann in Worms kommen wird – den nächsten Schritt auf meinem Weg in den Dominikanerorden.
Bernd Schnitter OP hat in seinem schönen Artikel über den „neuen Postulanten im Hamburger Konvent“ Ende September geschrieben: Er „sieht seinem weiteren Ordensweg mit großer Begeisterung entgegen.“
Die Wochen hier im Dominikanerkonvent und in der Pfarrei St. Sophien konnten diese Begeisterung keinen Deut mindern, ganz im Gegenteil. Dafür von Herzen Danke!
Nehmen Sie mich und meinen weiteren Weg bitte mit hinein in Ihr Gebet.
Eine besinnliche, ruhige verbleibende Adventszeit und ein schönes und gesegnetes Fest der Geburt unseres Herrn wünscht Ihnen
Johannes Schäffler
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