Die Dominikaner in Hamburg
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 Catalogus Hamburgensis
 Familiæ Dominicanæ

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor
fr. P. Dr. Karl Meyer OP
Supprior

Karl Meyer OP

 

hl. Dominikus 'Contemplari et contemplata aliis tradere'

Der heilige Vater web Dominikus (Bildnis rechts) sammelte eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, denen die vielfältigen Probleme ihrer Zeit nicht gleichgültig waren. Sie sollten die Kirche wieder glaubwürdig machen und das Evangelium zu den Menschen tragen.

Die in der Überschrift stehenden lateinischen Worte des Kirchenvaters und Dominikaners, des heiligen web Thomas von Aquin, formulieren die Grundrichtung dominikanischer Spiritualität. Auf deutsch: "sich der Kontemplation widmen und die Frucht der Kontemplation weitertragen".

Diese Frucht ist für die Angehörigen des Ordens, der eigentlich Predigerorden (OP = Ordo Prædicatorum) heißt, die Predigt. Nicht nur im engeren Sinne der Homilie, sondern weitergehend in allen Formen christlicher Verkündigung.

Hat doch der heilige Vater Dominikus (um *1173 bis † 6. August 1221), unser Ordensgründer, mit Bestätigung des Ordens durch Papst Honorius III. (22. Dezember 1216) den Auftrag erhalten »den Namen des Herrn Jesus Christus aller Welt zu verkündigen«.

Hierzu gab er seiner Gemeinschaft kein eigenes Regelwerk, sondern befand die Regel des hl. Augustinus als auch für die dominikanischen Schwestern und Brüder für gut und ausreichend.

Das beschauliche Gebet (Kontemplation) in der Gemeinschaft ist also Quelle des dominikanischen Verkündigungsdienstes.

Verkündigung für die Menschen von heute in der Sprache von heute
Die letzten Generalkapitel haben vier Prioritäten hervorgehoben:
  • Die Katechese in entchristlichten Milieus und in Kulturen, die dem Christentum fern stehen.
  • Die philosophische und theologische Erforschung von nichtchristlichen Kulturen, geistigen Systemen, sozialen Bewegungen und religiösen Traditionen.
  • Die Gerechtigkeit in der Welt: kritische Analyse der Ursprünge, Formen und Strukturen von Gerechtigkeit in unserer Welt und Einsatz für die Befreiung des Menschen.
  • Die Inanspruchnahme sozialer Kommunikationsmittel für die Verkündigung des Wortes Gottes. [1]
Die Dominikaner in Hamburg laden Sie ein, auf diesen Webseiten
mehr über die dominikanische Familie zu erfahren, besonders aber über unser Wirken -
unser Gebet, unsere Gemeinschaft, unser Studium und unsere 'Predigt' -
für und in dieser schönen Freien und Hansestadt Hamburg,
der Stadt des hl. Ansgar, an Elbe, Alster und Bille.

 

Die Dominikaner in Hamburg früher und heute

Zwei Patrone haben sich die Dominikaner gewählt, als sie 1236 nach Hamburg kamen: Johannes den Täufer, den Bußprediger und Vorläufer Jesu, und Johannes, den Evangelisten, den Prediger der Liebe und Jünger Jesu.

Unter diesem Vorzeichen haben sie knapp 300 Jahre mit den Hamburger Bürgern, aus deren Familien wohl die meisten der Brüder stammten, zusammen gelebt und ihnen gedient.

Das Kloster lag auf der Rückseite zur kleinen Alster, denn die Bauplätze an der Stadtmauer waren immer die billigsten - und dieser wurde später der heutige Rathausmarkt. Höhen und Tiefen haben sich abgelöst.

Eine gute Zeit war es sicher, als Meister Franke zum Konvent gehörte und für die Hamburger Kirchen und die Kapellen der Hamburger Fernhandelskaufleute im Ausland mehrere schöne Altäre schuf.

VertreibungAuch die Zeit kurz vor der Reformation war eine lebendige Zeit des Klosters mit jungen Menschen und gutem geistlichen Leben. Die Dominikaner haben sich der Reformation nicht angeschlossen und mussten deswegen die Stadt 1529 verlassen.

Bild rechts: Im Zuge der Reformation werden 1529 die Dominikaner aus Hamburg vertrieben durch Johannes Bugenhagen. [Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg]

Das alte Johanniskloster und die Kirche, die zu den besten gotischen Bauten Hamburgs zählte, wurden im 19. Jh. abgerissen - wären anderenfalls aber 1842 dem großen Stadtbrand zum Opfer gefallen (siehe auch: Geschichte der Dominikaner in Hamburg).

1962 konnten die Dominikaner nach Hamburg zurückkehren.

1962Bild links: Einweihung des Klosters am 18.09.1962 durch Weihbischof von Rudloff, Osnabrück. [Gemeindearchiv St. Sophien]

In der Stadtmitte gab es natürlich keinen Platz, und in der Diaspora lässt sich nicht einfach ein Kloster zwischen die Pfarreien setzen. So war die Pfarrei web Sankt Sophien in Barmbek ein guter zentraler Ort, und das Grundstück war groß genug, um ein Kloster zu errichten.

Ein Kloster: Das ist eine Brücke von Tradition in die Moderne, besonders wenn der Neubau so eng mit der schönen neugotischen Kirche verbunden ist.

Nun sind wir Dominikaner schon 40 Jahre in Hamburg, und 36 Jahre steht das Kloster. Wieder ist der Konvent den beiden heiligen Johannes geweiht. 45 Brüder waren in dieser Zeit kürzer oder länger Mitglied des Konventes. 13 von ihnen sind verstorben. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof ruhen sieben Mitbrüder, als erster seit 1985 Pater Eligius Tegeler.

Zur Zeit leben neun Dominikaner im Kloster. Was bieten sie über die Pfarrarbeit hinaus spirituell und pastoral an?

Das Wichtigste ist das gemeinsame Gebet: Es gehört zum Dominikaner dazu. Wir sehen das Stundengebet als Gebet für die Stadt. Daran teilzunehmen ist jeder Christ eingeladen.

Das Interesse an der Geistlichkeit des Ordens ist kontinuierlich gewachsen. Eine eigene Gemeinschaft von Laien des Dominikanerordens hat sich gebildet. Sie ist Ausdruck eines hohen Interesses an intensivem Gebet und an Glaubenswissen.

Es ist ferner nicht zu übersehen: Die Kirche Sankt Sophien hat durch die auf Initiative von Pater Johannes aufgestellten Heiligenfiguren etwas mehr das Aussehen einer "Dominikanerkirche" bekommen.

Mehrere Brüder teilen sich den Predigtdienst in St. Sophien. Dazu gehört seit über zehn Jahren die gemeinsame Predigtvorbereitung. Wir veranstalten ein bibeltheologisches Seminar. Wir haben jährlich ein großes ökumenisches Ordenstreffen in der Sankt. Ansgar-Woche.

Die Aktivitäten im eigenen Haus neben der Pfarrarbeit sind also begrenzt. Die meiste Arbeit ist wirklich seit eh und je in die Stadtkirche und die Erzdiözese eingebunden. Das ganze Spektrum der Arbeit in den 40 Jahren z. B. mit der Gründung der Offenen Tür Hamburg, mit Rundfunkarbeit, mit Religionsunterricht an der SBS (Sophie Barat-Schule) kann hier nicht dargestellt werden.

Aber einige Punkte seien genannt: Da die Zahl der Priester immer geringer wird, haben wir viele Gottesdienste und Predigten in anderen Gemeinden. Pater Reginald nahm den Gottesdienst und die Seelsorge für die englischsprachigen Katholiken wahr. Das umgekehrt Gruppen ausländischer Katholiken hier an Sankt Sophien eine Heimat gefunden haben, ist das besondere Verdienst von Pater Johannes.

Pater Siegbert ist in der Katholischen Charismatischen Gemeindeerneuerung engagiert. Über alle Jahre hin ist der Schwerpunkt theologische und geistliche Bildungsarbeit in den Pfarreien und Gruppen. Am bekanntesten waren dafür Pater Ludger und mehr als alle Pater Maternus. Seit dessen Tod nehmen Pater Lambert und Pater Karl diese Aufgaben wahr, eine Arbeit, die auch über Hamburg hinaus geht.

Dazu kommen theologische und geistliche Begleitung und Lebensberatung. Dies geschieht für kirchliche Gruppen zum Beispiel in Exerzitienkursen, im regelmäßigen geistlichen Wort für mehrere Dekanatspastoralkonferenzen, in Einkehrtagen für Gemeinden und Ordensgemeinschaften, in der Beratungsstelle für Lebensfragen oder einfach im Sprechzimmer.

Diese Tätigkeit überschreitet aber weit den kirchlichen Rahmen, zum Beispiel durch die Beratung von Firmen und Kurse für Betriebe durch Pater Alfred. Frater Hermann ist seit vielen Jahren Stationspfleger im AK Sankt Georg. Seit einigen Jahren sind Mitbrüder im Rahmen des Hilfsvereins Sankt Ansgar in der Obdachlosen- und Suchtkrankenarbeit tätig.

Zum Konvent gehört Pater Rudolf Stertenbrink, der im Verlag Herder unter anderem ein Buch über die Kirchenlehrerin Therese von Lisieux vorgelegt hat. Es ist das 26. Buch aus seiner Feder.

Das sind nur einige Schlaglichter auf unser Leben und unsere Arbeit. Wir freuen uns, das wir wie früher mit den Menschen dieser Stadt leben und mit ihnen über das wunderbare Geheimnis Gottes sprechen können.


Luftbild St. Sophien, Konvent & SchuleSeit 1966 steht der moderne, runde Klosterbau
an der Weidestraße, geplant und ausgeführt
durch die Architekten Jörn Rau, Walter J. M. Bunsmann und Paul Gerhard Scharf.


Zum 40-jährigen Klosterjubiläum im Herbst 2006 feierte der Metropolit von Hamburg, Seine Exzellenz, Erzbischof Dr. Werner Thissen mit dem Konvent ein Pontifikalamt und bat den anwesenden Pater Provinzial noch um viele weitere Jahre des Ordenswerkes in Hamburg.
22.10.2006 -  'Ihr hebt den Grundwasserspiegel des Glaubens'

 

Bildnachweise
Foto oben: Ein Bildnis des hl. Dominikus aus dem Freskenzyklus 'Verspottung Christi' im Dominikanerkloster San Marco in Florenz, Detail: Hl. Dominikus, von Fra Angelico
Foto unten: St. Sophien-Kirche, dahinter das Kloster (Rundbau) und rechts neben Kirche und Kloster die Katholische Sophienschule.
Portrait Erzbischof Werner: Erzbischöfliches Generalvikariat Hamburg
[1] Generalkapitel 1977

 

 

 
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